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Eine Zeitreise zurück, als die Bentley Boys die Darlings der 1920er waren

Während der frühen zwanziger Jahre, als viele andere Hersteller noch in den Kinderschuhen steckten, reizte Bentley bereits die Grenzen auf internationalen Rennstrecken aus. Dieser Bentley 4 ½ Litre Le Mans von 1929 ist ein echter alter Kämpe und das Kronjuwel von Axel Schütte.

Als sich das Automobil noch in seinen Kindertagen befand, waren die Fahrzeuge Abwandlungen der von Pferden gezogenen Kutschen und Fuhrwerke, die eingesetzt wurden, um Menschen und Güter zu transportieren. Das frühe 20. Jahrhundert war eine Zeit der Innovationen und so wie jede Dekade als technischer Beschleuniger in vorher ungeahnte Höhen wirkt, war auch die Autoentwicklung von den 1910er Jahren zu den Roaring Twenties fulminant.

Die junge Industrie florierte und mit ihr wuchs auch der Hunger nach Geschwindigkeit. Zu den Pionieren gehörte Walter Owen Bentley – von seiner Expertise im Bereich Engineering profitierte die ganze Szene, ganz abgesehen von seinem Talent, sehr schnell fahren zu können. Als er sein neu gegründetes Unternehmen aufbaute, verstand er rasch, wie wichtig der Motorsport für die Entwicklung von begehrten Autos sein würde. Dieser Weg zu den Käufern ist heute allgemeine Praxis, aber während der zwanziger Jahre war es ein völlig neuer Ansatz.

Rennfahren ist die eine Sache, aber dann auch noch den ganzen Tag ohne Pause Rennen zu fahren ist geradezu verrückt. Zunächst sah auch W.O. keinen Sinn in dem eben aus der Taufe gehobenen Langstreckenrennen, den 24 Stunden von Le Mans, das Mensch und Maschine bis zu ihrem Leistungslimit testen sollte. „Niemand wird in der Lage sein, das zu schaffen. Autos wurden nicht entwickelt, um diesem Stress 24 Stunden lang standzuhalten.“ Diese Einschätzung legte W.O. zu den Akten, nachdem ein Bentley 3-litre den vierten Platz beim allerersten Le Mans-Rennen in 1923 belegte und dabei auch noch einen neuen Rundenrekord aufstellte. Diesem Erfolg konnte sich der Firmengründer dann doch nicht entziehen, deswegen kehrte er im darauffolgenden Jahr zurück und feierte mit seinen heute ikonischen Bentley Boys einen Triumpf.

Diese grandiose grüne Maschine, die Sie hier vor sich sehen, war eine Schöpfung Bentleys in ihrer goldenen, legendreichen Motorsport-Ära. Gebaut 1929, war Chassis PL3486 eine Sonderbestellung aus einer kleinen Zahl an Semi Le Mans-Chassis, die auf dem Model 4 ½-Chassis basierte. In den umfangreichen Unterlagen, welche der deutsche Händler Axel Schuette über dieses Auto besitzt, befindet sich auch die originale Kaufrechnung. Mr. Leeson, der glückliche Erstbesitzer des 4 ½ sollte seinen fast fabrikneuen Austin Marlborough Landaulette, Baujahr 1929, eintauschen und immer noch umgerechnet 1.000 Pfund draufzahlen müssen. Der wichtigste Aspekt des Kaufvertrags befindet sich unter den „Le Mans“-Extras, die nochmal mit 45 Pfund berechnet wurden. Eine horrende Summe, wenn man den damaligen Wert des britischen Pfunds bedenkt. Bentley-Modelle wurden natürlich für die Oberschicht gebaut, wer einen erstand, dem eröffnete sich die Welt des Luxus und der vielfältigen Chancen. 

Die Optionen, die Mr. Leeson bestellte, wurden durch die Form der Le Mans-Karosserie verkörpert, die um rund 25 cm kürzer ausfiel und hinter den Vordersitzen eine verbaute Strebe besaß, die dem Fahrzeug mehr Steifheit in den Kurven verlieh. Sie mögen wenig gemein mit heutigen Produkten von Recaro haben, aber dieses Exemplar hat auch die optionalen Schalensitze für Fahrer und Beifahrer, deren Design wesentlich leichter als bei serienmäßigen Sitzen ausfiel. Heute zeichnet sich PL3486 immer noch durch die erste, ursprüngliche Karosserie aus und verfügt größtenteils noch über das originale Interieur. Damit verkörpert dieses Auto ein echtes Stück Bentley-Geschichte. Es ist außerdem eines von nur fünf Fahrzeugen, die bis zum heutigen Tag überlebt haben. Und es befindet sich in seinem ursprünglichen Zustand, etwas, dass nur sehr wenige seiner Zeitgenossen für sich in Anspruch nehmen können.

Zur Verfügung gestellt, für diese Reportage, hat uns diesen ikonischen Rennwagen Axel Schuette. Wer von Motorsportgeschichte fasziniert ist und insbesondere von der Rolle britischer Marken beim entwickeln exzellenter Straßenwagen aus dem Rennsport, sollte sich im Fahrzeugbestand von Axel Schuette nach weiteren Besonderheiten umschauen.