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Diese beiden Nissan Gruppe C-Monster kehren aus dem Ruhestand zurück nach Le Mans

An diesem Wochenende steht bei Le Mans Classic 2022 alles im Zeichen legendärer Sport- und GT-Wagen. Darunter auch diese zwei Nissan Gruppe-C-Legenden, die Xavier Micheron von der Ascott Collection an die Sarthe Strecke gebracht hat und die wir uns einmal näher angeschaut haben.

Zwei kompromisslose Gruppe-C-Modelle der Japaner, der Nissan R90CK und der R90CP, die Anfang der 1990er-Jahre während des goldenen Zeitalters der Langstreckenrennen die Starterfelder bereicherten, kehren an diesem Wochenende zum ersten Mal nach Le Mans zurück. Ein Comeback, das Xavier Micheron, dem enthusiastischen Gründer und CEO der Ascott Collection, zu verdanken ist. Er hat diese beiden Preziosen aus der Nissan Werksammlung geholt, wo sie seit den 1990er-Jahre schlummerten. 

 

„Diese beiden Autos sind echte Zeitkapseln, sie befinden sich genau in dem Zustand, in dem sie vor 30 Jahren ins Nissan-Museum rollten“, erzählt Xavier. „Die Gespräche über ihren Kauf zogen sich über zwei Jahre und wurden von Covid unterbrochen, ich konnte die Wagen noch nicht einmal vor Ort besichtigen! Obwohl diese Autos für Nissan wahre Schmuckstücke waren, denke ich, dass die Unternehmensleitung für unseren Ansatz empfänglich war. Denn wir wollen mit ihnen Rennen fahren, natürlich in Le Mans, aber möglicherweise auch in Daytona oder anderswo. So wie wir es mit dem Howmet TX tun, den ich an diesem Wochenende pilotiere, dem 1981er Lola T600, dem Riley & Scott MK3C und anderen. Als neuer Besitzer und Betreuer dieser beiden fantastischen Nissan Gruppe C-Fahrzeuge ist es unser Ziel, beide beim nächsten Le Mans Classic Gr. C-Rennen in einem Jahr zu fahren! Im Rahmen einer Sonderveranstaltung zum 100. Jubiläum des 24-Stunden-Rennens.“

 

Wie wir alle wissen, ist Le Mans ein heiliger Gral für jeden Fahrer, jedes Team und jeden Hersteller. In diesem Spiel haben sich die Japaner durch ihre Innovationen und ihre Beharrlichkeit ausgezeichnet. Die beiden Nissan-Fahrzeuge der Ascott Collection, der R90CP #R89C-01 und der R90CK Rev #R90-C-005, sind gute Beispiele für solche Leistungen. Das erste Auto fuhr 1989 und 1990 in Le Mans, das zweite 1990, mit einem Geschwindigkeitsrekord und der Pole Position.

 

Zu diesem Zeitpunkt hatte Nissan bereits eine lange Le Mans-Geschichte hinter sich. Seit 1986 war man bei jeder Ausgabe mit zwei Autos angetreten, aber 1989 kam es zu einer einschneidenden Veränderung. Xavier erzählt uns mehr darüber: „1989 setzte die Rennabteilung von Nissan, Nismo, drei völlig neue Fahrzeuge vom Typ R89C ein. Erstmals mit einem Chassis von Lola statt von March. Der R89C erreichte dank seiner stark verbesserten Aerodynamik, eines enormen Abtriebs und eines 3,5-Liter-V8-Motors der mit zwei IHI-Turboladern an die 800 PS leistete, eine Höchstgeschwindigkeit von 385 km/h.“

Dieser Motor mit der internen Bezeichnung VRH35 blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück, wie Xavier weiß: „1990 trieb er den R90C an, eine neuere Version findet man auch noch im Nissan R390 GT1 von 1997. McLaren kaufte ihn dann nach dem Ende des GT1-Programm von TWR. Weiterentwickelt, gelangte der Motor dann in den McLaren MP4-12C, den 720S und sogar in den P1! Wer hätte gedacht, dass der P1 von einem Motor angetrieben wird, der 1989 bei Nissan geboren wurde?“

 

Mit einem so konkurrenzfähigen Auto hegte Nissan große Ambitionen für Le Mans 1989. Der #R89C-01 hatte bei Tests in Arizona bereits 386 km/h erreicht und war im Mai beim Rennen in Dijon auf Platz 15 gelandet. In Le Mans qualifizierte sich das Trio Julian Bailey, Mark Blundell und Martin Donnelly mit einer Zeit von 3.24,09 Minuten für Startplatz zwölf. Bailey legte einen fulminanten Start hin und überholte einen Konkurrenten nach dem anderen, bis er beim Kampf um Platz zwei mit dem Jaguar des Dänen John Nielsen in Mulsanne kollidierte. Auch wenn zunächst alles nur nach einer beschädigten Fronthaube aussah, erwies sich der Schaden nach Inspektion an der Box als gravierender - Aus nach nur fünf Runden mit beschädigter Aufhängung. Die beiden anderen R89C teilten das Schicksal nach 167 respektive 250 Runden.  

Xavier fährt fort: „Natürlich wollte sich Nissan für die Ausgabe von 1990 revanchieren. Also kamen sie in diesem Jahr mit sieben Autos zurück, darunter fünf offizielle Werkswagen! Es war ein echtes Nissan-Jahr, denn eines ihrer Autos war der Star des offiziellen Plakats und eine der beiden neuen Schikanen auf der Hunaudières-Geraden trug offiziell den Namen ‚Nissan-Schikane‘“!

Der #R89C-01 trat diesmal in den Farben des Privatteams von Yves Courage an und überquerte mit dem Fahrer-Trio Regout/Cudini/Los die Ziellinie auf Platz 22. Einen letzten Auftritt hatte der 01 beim 500-km-Rennen von Fuji, wo er stolz die Nummer 01 trug, um den ein Jahr zuvor gewonnenen japanischen Meistertitel zu feiern. Er wurde schließlich in die Nissan Heritage Collection aufgenommen, wobei er seine Lackierung und seine Rennspuren behielt.  

Le Mans 1990 sah auch das Debüt des neuen und innovativen R90CK. Das Chassis Nr. 1 mit der Startnummer 23 war das erste Auto, das in Le Mans mit Karbonbremsen antrat. Beim R90CK stand das K für „Kae” (japanisch für 'Verbesserung'), was sich konsequent auf Leistung bezog. 

Xavier erklärt: „Der R90CK erreichte Geschwindigkeiten von fast 400 km/h und die Pole-position-Zeit von Mark Blundell in 3.27,020 Minuten liegt nahe am Niveau der 2022 in Le Mans erzielten Pole-Position-Zeit  von 3.24,4 Minuten, aufgestellt von einem der Toyota-Hypercars!“. Mit 1128 PS hält der Nissan R90CK den Rekord als leistungsstärkstes Auto, das je in Le Mans an den Start ging; er ist auch dafür bekannt, dass er auf den geraden Stücken zwischen den beiden neuen Schikanen die höchste Geschwindigkeit aller Teilnehmer erreichte. Blundell erreichte im Qualifying eine Geschwindigkeit von 366 km/h, als das Wastegate des Doppelturbosystems klemmte und der Motor deutlich mehr als seine reguläre Leistung von 800 PS produzierte.“

Fürs Protokoll: Blundell missachtete absichtlich die Aufforderung, an die Box zurückzukehren, da er eine sehr schnelle Runde fahren wollte. Am Ende stand er auf der Pole-Position, mit mehr als 6 Sekunden Vorsprung! Auf dem Weg zurück an die Boxen erntete er neben vielen lächelnden Gesichtern auch eher abschätzige Blicke für seine mangelnde Disziplin.

Als erste japanische Marke, die von der Pole-Position aus startete, war Nissan am D-Day ganz heiß auf den Sieg. Leider erwies sich die Strecke an der Sarthe in diesem Jahr als unversöhnlich, und von den fünf Werksautos kamen nur zwei ins Ziel, auf den Plätzen 5 und 17. Der Nissan R90CK Rev #R90-C-005 der Ascott Collection musste wegen eines Treibstofflecks aufgeben - ein frustrierendes Ergebnis angesichts des vierten Startplatzes der Top-Paarung Robinson/Brabham/Daly.  

Bei den 24 Stunden von Daytona konnte der R90CK 1992 nach Patz drei im Vorjahr dann seinen ersten Sieg erringen. Der R90CK der Ascott Collection war 1991 ausgeschieden; 1992 wurde ihm nach Platz fünf im Qualifying leider wegen eines Benzinlecks der Start verwehrt. Danach wanderte auch er in die Nissan Heritage Collection. Mehr als dreißig Jahre später rechnet Xavier Micheron damit, dass das Leck immer noch vorhanden sein wird, wenn seine Mechaniker den Wagen beginnen, vollständig zu untersuchen! 

Denn nach diesem Wochenende bei Le Mans Classic werden beide Nissan einer vollständigen mechanischen Restaurierung und einem Neustart unterzogen. Zunächst wird das komplette Karbonchassis bis auf das blanke Metall zerlegt, bevor alle Teile mit einem Röntgengerät genau untersucht werden. Anschließend werden beide Autos wieder vollständig zusammengebaut, wobei die Karosserien so weit wie möglich originalgetreu erhalten bleiben sollen. Der Countdown für das Le Mans Classic Gr. C-Rennen im Jahr 2023 hat bereits begonnen, und wir können es kaum erwarten, die Motoren dieser beiden Autos an der Sarthe wieder aufheulen zu hören. Die Ausgabe im nächsten Jahr wird etwas ganz Besonderes sein, denn dann werden 100 Jahre 24 Stunden von Le Mans gefeiert, eine Geschichte, zu der Nissan einige bedeutende Kapitel beigetragen hat. 

Photos by Kevin Van Campenhout

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Dieser gesponserte Artikel wurde im Rahmen eines bezahlten Sponsorings mit Ascott Collection erstellt und veröffentlicht. Classic Driver ist nicht verantwortlich für die oben angegebenen Informationen.