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12.10.2001
Mercedes-Benz Rennwagen-Schnelltransporter
Der schnellste Renntransporter der Welt






















Er war der Star der Fahrerlager - der königsblaue Rennwagen-Schnelltransporter von Mercedes-Benz. An den Rennstrecken Europas erregte er Mitte der 50er-Jahre mehr Aufsehen als die Silberpfeile, die er transportierte. Doch als sich Mercedes 1955 aus dem Grand-Prix Sport zurückzog, waren auch seine Tage gezählt. Er fristete ein Dasein als Mülltransporter auf dem Werksgelände, bis er 1967 verschrottet wurde. Jetzt hat ein Restaurationsbetrieb aus Mölln den berühmten Renntransporter in mühsamer Detailarbeit originalgetreu rekonstruiert.

Mercedes und der Nachkriegsrennsport.
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Mit dem neu entwickelten 300 SL konnte Mercedes-Benz 1952 erste erfolgreiche Einsätze bei Sportwagen-Rennen wie der Mille Miglia verbuchen. Vorstand und Rennleitung waren aufgrund der ersten Siege zuversichtlich, ab 1954 auch wieder in den Grand-Prix-Sport zurückzukehren. Neben der Entwicklung des 2,5-Liter-Saugmotor-Rennwagens W 196 galt es, einen entsprechenden Rennwagen-Transporter zu konstruieren.

Alfred Neubauer, legendärer Mercedes-Benz Rennleiter, hatte bereits 1924 für die Daimler-Motoren-Gesellschaft einen Transporter für einen Achtzylinder-Rennwagen entworfen und bereits eine feste Vorstellung von dem neuen Renntransporter. Schnell sollte er sein, sehr schnell – auch mit einem Silberpfeil oder SLR im Gepäck – und mit entsprechenden Bremsen bestückt.

In der Konstruktionsabteilung für Prototypen einigte man sich, Rahmen, Motor und Teile der Karosserie aus mehreren Fahrzeugen zu kombinieren: dem X-Rohrrahmen des 300 S, dem Reihen-Sechszylinder des 300 SL Flügeltürer sowie aus Teilen der Fahrerkabine und des Innenlebens des 180ers.

Der Rohrrahmen wurde zugunsten der Ladefläche verlängert, der 3-Liter Motor knapp über der Vorderachse platziert und von 215 PS auf 195 PS gedrosselt. Hydraulische Trommelbremsen mit Bremskraftverstärker, eine zusätzliche Scheibenbremse sowie eine Motorbremse sorgten für die benötigten Verzögerungswerte – bei 3000 kg Gesamtgewicht inklusive Ladung und Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 170 km/h keine leichte Aufgabe.

Doch nicht nur die Leistung, auch die Karosserie des Renntransporters war einzigartig: stromlinienförmige, fließende Linien; eine nasenartig nach hinten ausgewölbte Fahrerkabine, eine vollverkleidete Heckpartie und formale Anklänge an 300 SL und SLR machten den blauen Transporter abseits der Rennstrecke zum Blickfang.

Für die Rennabteilung war der rasende Transporter ein Segen. Man hatte vor dem Rennen mehr Zeit für letzte Abstimmungen und Änderungen und konnte defekte Wagen nach dem Rennen schneller zurück transportieren, um sie für den nächsten Einsatz herzurichten.

Als sich Daimler-Benz 1955 aus dem Motorsport zurückzog, gab es für den berühmt gewordenen Renntransporter keine angemessene Verwendung mehr. Zunächst wurde er an Ausstellungen in den Vereinigten Staaten entliehen, später auf dem heimischen Werksgelände als Mülltransporter eingesetzt und 1967 auf Anweisung von Entwicklungschef Uhlenhaut verschrottet.

Im Laufe der Jahre sammelten sich beim Mercedes-Benz Museum jedoch zahlreiche Anfragen nach dem Unikat. Doch im Konzernarchiv gab es nur sehr wenige Aufzeichnungen. Konstruktionspläne fehlten gänzlich – der Wagen war „freihändig“ entstanden. Anfang der 90er-Jahre entschied man sich in Stuttgart, die Legende trotz der sehr lückenhaften Unterlagen originalgetreu rekonstruieren zu lassen.

Die Restaurationsfirma MIKA GmbH in Mölln nahm die Herausforderung an. Anhand von Fotos, mündlichen Berichten und rekonstruierten Eckdaten wurde der Schnelltransporter innerhalb von 7 Jahren und rund 6000 Arbeitsstunden wieder zum Leben erweckt. Von der Motorleistung über das Gesamtgewicht bis zum Bezugsstoff der Schalensitze – alles entspricht exakt dem Original.

„Nur die Lackierung“, so ein Zeitzeuge des ersten Renntransporters, „ist eine Spur zu blau“. Schließlich hatten die Restaurateure bei der Rekonstruktion der Originalfarbe nur auf Schwarzweiß-Fotografien zurückgreifen können.

Von Jan Baedeker - editor@classicdriver.com


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