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BMW Z8
Die große Freiheit




















































Text: Ralf Bernert

Photo/Video: Ralf Bernert/Michael Barnett/Alexander Reinhardt

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BMW Z8 Video
(im RealPlayer-Streaming-Format)
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Ich wollte ihn nicht zurückgeben. Ich wollte einfach umdrehen und mit ihm durchbrennen. Ich stand vor dem Tor von Werk 0.1 der BMW Group in München, und vor meinem geistigen Auge sah ich schon die Schlagzeilen in den Tageszeitungen: „Hamburger Journalist entwendet Testwagen. Münchener Autohersteller setzt 235.000 DM Belohnung aus.“

Einmal mit Steve McQueen gleichziehen

Die Leser würden sich fragen, warum um Himmels willen ein Journalist einen Testwagen klaut. Stimmt, ein „normaler“ Testwagen würde mich niemals über die Hürde springen lassen, die mich hinter Gitter bringen kann. „Weshalb sitzt Du denn?“ „Hab´ nen Golf geklaut“ „So ein Schwachsinn, wenn schon , dann wenigstens nen Z8 oder so was.“ Genau, und jetzt ist sie da, die Chance zum Realtime Roadmovie, die Gelegenheit, mit Steve McQueen gleichzuziehen. Einmal mit der Polizei im Schlepptau über Deutschlands Straßen gehetzt werden, mit quietschenden Reifen morgens um vier die Kölner Innenstadt wecken oder mittags um zwölf die Düsseldorfer „Kö“ aufmischen. Die Leute würden aus den Fenstern starren und staunen:“ Was ist denn da los? Da hat jemand einen Z8 geklaut. Die Polizei versucht ihn zu schnappen, aber der BMW ist einfach zu schnell.“ Cool. Ich wäre ein Held. Nein, wir wären Helden. Der Z8 und ich.

Testfahrt, nicht mit mir!

Was ist also passiert? Was ist dran am Z8, dass er einem „grundsoliden“ Journalisten derart wildes Gedankengut vor das geistige Auge treibt? Schließlich ist eine Testfahrt kein Abenteuer sondern eine sachlich nüchterne Angelegenheit. Das Fahrzeug wird verschiedenen Fahrsituationen ausgesetzt. Autobahn, Landstraße, Bremstest, Beschleunigung, usw. Das war zumindest die Vorgabe. Schließlich wollen wir unseren Lesern ein möglichst objektives Bild des Kandidaten vermitteln. Sachlich? Routine? Emotionslos? Schön wär´s, der Z8 machte uns einen Strich durch die Rechnung. So, als wollte er sagen: “Ich tauge nicht für emotionslose und sachliche Bewegungsfahrten. Und testen lasse ich mich auch nicht. Wenn, dann werde ich erlebt. Basta!“

Ein Wort zum Motor

Also schön, keine Testfahrt. Trotzdem müssen wir einige Worte über Technik und Leistung verlieren. Fangen wir beim Motor an: Der M5 ist quasi die Leihmutter. Sein Triebwerk steckt im Z8 und liefert nicht weniger als 294 kW (400 PS). Da der Z8 rund 200 Kilo leichter als der M5 ist, liegen die Beschleunigungswerte auch um einiges unter denen der Limousine. 0,4 Sekunden, um genau zu sein. Also, der erste Testwert heißt: Von 0 auf 100 km/h benötigt der Z8 genau 4,9 Sekunden. Hallo Ferrari, hallo Porsche. Um mit dem BMW Z8 Schritt halten zu können, müsst Ihr schon Euer bestes Pferd, pardon Euren besten Hengst aus dem Stall lassen. Wollte man also dem Z8 ein Zeugnis bezüglich seiner Motorleistungen ausstellen, sähe das in etwa so aus:

Der BMW Z8 hat im Fach Motorisierung folgende Leistungen erbracht:

Beschleunigung: Aus dem Stand erreichte er 100 km/h in 4,9 Sekunden. Von 0 auf 180 km/h benötigte er 13,8 Sekunden. Note: Supersportler

Elastizität: 4,8 Sekunden brauchte der Z8 von 80 km/h bis 120 km/h. Note: sehr gut

Drehmoment: Der Z8 erreicht ein maximales Drehmoment von 500 Nm bei 3800 U/min. Note: sehr gut mit Stern.

Fazit: Im Fach Motorisierung liegt der BMW Z8 weit über dem Durchschnitt und hat das Klassenziel locker erreicht.

Noch ein Wort zum Motor

Bei aller Liebe zur Technik, bei aller Begeisterung für Kennzahlen und mathematische Formeln. Der Z8 ist ein Renner. So wie man das Gaspedal in Richtung Fußmatte tritt, wird man in die Ledersitze gedrückt. Der bayrische Roadster kennt da keine Grenzen. Und da man hinter dem Steuer oder auf dem Beifahrersitz erstaunlich bequem und stabil Platz nehmen darf, ist ein kurzer und heftiger Tritt auf´s Gaspedal auch gleich ein Erlebnis. Ganz zu schweigen von der Geräuschkulisse, die der BMW entwickelt. Woran GTI-Fahrer monatelang verzweifelt und erfolglos basteln, wird hier ab Werk geliefert. Das Triebwerk des Z8 röhrt und brummt, dass einem Hören und Sehen vergeht. „Klingt wie ein echter, kerniger Roadster“. Ruft es vom Beifahrersitz. „Stimmt genau.“ Brülle ich zurück und schalte in den Dritten.

Der ist aber hübsch

Hübsch? Der Z8 ist nicht hübsch. Der Z8 ist eine Augenweide, ein Hingucker. Kaum verlasse ich die Werkstore in München, drehen sich die ersten Köpfe um. Die Schlagzeile des Tages: „Münchner Orthopäden freuten sich über eine ungewöhnlich hohe Patientenzahl am vergangenen Mittwoch. Schuld soll ein blauer BMW Z8 sein, der durch Münchens Straßen fuhr, und nach dem sich nahezu jeder hektisch umdrehte.“ Also hier die nächste Bewertung:

Der BMW Z8 hat im Fach Design/Außenwirkung folgende Leistungen erbracht:

Feedback in geschlossenen Ortschaften: zahlreiche unaufgeforderte Zurufe der gehenden Bevölkerung.

Feedback auf Autobahnen: sorgte des öfteren für hektische Bremsmanöver zwecks genauerem Hinsehen: „Da sieh´ mal, ein Z8.“

Feedback in stehendem Zustand: „Wo haben wir denn den Z8 geparkt?“ „Da, wo die Leute um ein Auto stehen!“

Ein offenes Wort zum Verdeck

“Roadster muss man offen fahren, selbst wenn es regnet.“ Stimmt, meistens jedenfalls. Nicht jeder Roadster verfügt über eine ausreichende Heizung oder bietet den Insassen eine Sitzposition, die Wind und Wetter trotzt. Der Z 8 schon. Bei rund 10 Grad Celsius, leichtem Nieselregen (echte Roadster-Fahrer nennen das feuchte Luft) und Tempo 130 fühlen wir uns pudelwohl. Gene Kelly schmettert „I´m singing in the rain“, und wir singen mit. Hier die Bewertung:

Der BMW Z8 hat im Fach Offenes Fahren folgende Leistungen erbracht:

Verdeck öffnen: kinderleicht(Knopf drücken – 25 Sekunden warten – Persenning befestigen - fertig.)

Verdeck schließen: einfach bis kinderleicht (Persenning entfernen – Knopf drücken – 25 Sekunden warten – Verdeck mit der Hand kurz nach unten ziehen fertig.)

Alles Retro oder was?

Ein wenig Geschichte gefällig? „der BMW 507 ist eine der Ikonen der 50er Jahre – das Meisterwerk des Designers Albrecht Graf Goertz entstand in nur 252 Exemplaren.“ Jürgen Lewandowski, einer der renommiertesten deutschen Motorjournalisten sprach allen Enthusiasten aus der Seele, als er den Z07, so hieß der Prototyp des Z8, auf die Straße wünschte. „Mit der Z07-Studie zeigten die Bayern endlich einmal wieder ein großes Cabriolet, das mit seinem 400 PS starken 5-Liter-Motor auf den Spuren des legendären BMW 507 wandelte.“ Dem werden wir nicht widersprechen.

Was kostet der denn?

Es gibt Fragen, die stellt man nicht. Werden sie doch gestellt, gibt es nur eine Antwort: “Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist hervorragend. Der Z8 ist jede Mark wert, und wenn Sie einen erleben wollen, haben Sie zwei Möglichkeiten: Erstens, Sie lesen meinen Bericht, oder zweitens, Sie zwingen mich mit vorgehaltener Waffe zum Aussteigen. Aber beeilen Sie sich, ich spiele gerade mit dem Gedanken, mit dem Auto durchzubrennen.“



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